Wenn der Erfolg zum Scheitern führt
Es klingt verwirrend und paradox, doch auch zu viel Erfolg kann ein Gründungsvorhaben zum Scheitern bringen. Ein erfolgreicher Start ist schön, und wenn die Nachfrage die Erwartungen übersteigt, führt das schnell zur Euphorie. Dann ist aber auch Vorsicht geboten! Denn in zu schnellem Wachstum lauert die Gefahr des Scheiterns. Wir nennen dir ein paar Gründe, warum das so ist, und wie du diese mit Umsicht und Weitsicht umgehen kannst.
Überforderung durch zu hohe Nachfrage
Gerade in der Anfangsphase müssen sich Abläufe erst einmal einspielen. Um eine ungeplant hohe Nachfrage abzudecken, sind ausreichend personelle und materielle Ressourcen erforderlich. Wenn diese nicht vorhanden sind, müssen zunächst Lieferzeiten angepasst oder Aufträge abgelehnt werden. Das kann sich negativ auf den Ruf deines Unternehmens auswirken. Denn Verlässlichkeit ist heute das A und O. Um das zu vermeiden, sind möglichst genaue Personal- und Wareneinsatzplanungen im Vorfeld notwendig. Wenn es doch passiert, ist mit zusätzlichem, eventuell befristetem Personal und der Verstärkung des Einkaufs zu reagieren. Wichtig ist immer die Kommunikation mit deinen Kunden. Wenn du offen und transparent verlängerte Lieferfristen oder andere Herausforderungen kommunizierst, führt das in der Regel zum Verständnis bei den Kunden und erhält definitiv deinen Ruf als verlässliche Unternehmerin oder Unternehmer.
Verwässertes Angebot
Durch den Erfolgsdruck neigen Jungunternehmen dazu, ihr Portfolio schnell zu erweitern. Kaum wird ein Produkt gut angenommen, wird ein nächstes auf den Markt gebracht. Dadurch kann es passieren, dass du mit zu vielen verschiedenen Produkten zu unterschiedliche Zielgruppen ansprichst und deinen Hauptmarkt aus den Augen verlierst. Wenn dann noch Qualitätsunterschiede hinzukommen, verwässert das dein Angebot und erschwert einen nachhaltigen Geschäftserfolg. Daher konzentriere dich mutig und zielgerichtet in der Anfangsphase auf deine Kernkompetenzen und Kernprodukte. Wenn sich hier ein stabiler, gewinnbringender Umsatz eingependelt hat, ist es Zeit, sich um die Erweiterung der Angebotspalette und die Ausweitung der Zielgruppen Gedanken zu machen.
Liquiditätsengpass
Selbst eine solide Liquiditätsplanung kann durch unerwartete Ausgaben oder verzögerte Einnahmen ins Schwanken geraten. Insbesondere im produzierenden Gewerbe oder im Handwerk sind Vorleistungen für Personal und Material oft notwendig, ehe erst nach Projektabschluss abgerechnet werden kann. Bei großen Projekten solltest du daher eine Vorauszahlung vereinbaren, um Liquiditätsengpässen vorzubeugen.
Steuerzahlungen
Ein häufig übersehener Kostenpunkt sind die Steuerzahlungen. In der Gründungsphase bietet sich die Beantragung der Ist-Versteuerung an. Damit ist die Umsatzsteuer erst fällig, wenn die Rechnungen durch deine Kundschaft bezahlt wurden. Doch auch dann ist zu beachten, dass ein weiterer Teil des Geldes auf dem Geschäftskonto bereits dem Finanzamt zusteht. Hier solltest du ganz bewusst monatliche Rücklagen bilden, um den Steuerzahlungen nachkommen zu können.
Mangelnde Erfahrung
Schnelles Wachstum erfordert strategisches, kaufmännisches und logistisches Geschick, damit Entscheidungen zukunftsorientiert getroffen werden können. Oftmals fehlt den Gründerinnen und Gründern die dafür notwendige unternehmerische Erfahrung. Hier können dich externe Mentoren unterstützen, die dein Unternehmen in der Anfangsphase begleiten. Im Landkreis Goslar gibt es dafür das durch die WiReGo betreute Mentoring-Netzwerk.
Fazit:
Auch Wachstum will gut geplant sein. Erfolg in der Anfangsphase ist schön. Doch wichtig ist eine Entwicklung mit Augenmaß, die alle entscheidenden Geschäftsbereiche im Blick behält. Damit aus erster Euphorie langfristiger Erfolg wird.
Um deine unternehmerischen Kompetenzen zu stärken, findest du im Rahmen der Gründungs- und Innovationsakademie geeignete Veranstaltungen.
